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Galizische Dudelsackspieler begeistern HBG – Schüler

Bericht  und Fotos: Jörg Mallmann / Antje Fehrholz

Dudelsäcke in Spanien? Diese Frage stellten sich wohl viele, die die Aushänge zur Veranstaltung für die HBG- Spanischkursteilnehmer am 13.12.2011 lasen. Gemeinhin wird der Dudelsack lediglich den Schotten zugeordnet – ein großer Irrtum.

In der Aula des Gymnasiums Eickel erfuhren die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Eickel und wir, die Gäste des Kooperationspartners Heinrich-Böll-Gesamtschule/ Europaschule,  viel Interessantes über die galizische Tradition.

Raúl Galego und der belgische Dudelsackspieler Stefan Timmermans berichteten in spanischer Sprache über das Instrument und seine europäische Geschichte. Zudem forderten sie die Schülerinnen und Schüler zum Mitmachen auf. Mit Percussionsinstrumenten (in diesem Fall den Jakobsmuscheln) begleiteten sie Melodien und Lieder. Getanzt wurde natürlich auch: Walzer geht auch mit Dudelsackmusik – und folkloristische Partnertänze, wobei diese Schritte dann doch eingeübt werden mussten.  

Aber nun erst einmal zur Vorgeschichte:
Unsere Schule bietet einmal im Jahr ein Betriebspraktikum in La Coruña/Galizien an. Einer der Dudelsackspieler, die uns nun in Herne besuchten, arbeitet dort in der städtischen Bibliothek, in der wir alljährlich zwei Schüler unterbringen. Zudem gibt er mit Freunden jeden Donnerstag in der Kneipe "O Gaiteiro" (dt. "Beim Dudelsackspieler") ein kleines, aber feines Konzert. Und so entstand die Idee, auch mal in Deutschland zu spielen – vor ausgewähltem Publikum, soll heißen, vor allen Schülerinnen und Schülern und Lehrern, die sich für die spanische Kultur begeistern.
Da Raúl Galego sowieso in Belgien zu tun hatte (natürlich in Sachen Dudelsack), hielten wir also dieses Jahr im Oktober in La Coruña fest, dass die Veranstaltung in der dritten Dezemberwoche, im Rahmen seines Belgienbesuches stattfinden sollte. Zudem schlug Raúl vor, dass er seinen langjährigen Freund und Musikkollegen Stefan Timmermans mitbringen könnte.
Und so wurde dann alles für diesen Tag, den 13.12.2011, vorbereitet – ein herzlicher Dank gilt hier auch den Schülerinnen und Schülern, die dieses Jahr am Betriebspraktikum teilgenommen hatten und nun viele Leckereien zum späteren Verzehr vorbereiteten, den Kolleginnen und Kollegen, die die Schüler für die Vorbereitungszeit freistellten und natürlich den Schülerinnen und Schülern, die sich zu der Veranstaltung in der Aula versammelt und durch eine kleine Spende ihren Obulus geleistet haben.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

HBG – Europaschüler  für Auslands-Betriebspraktikum
mit 2500 € Fördergeldern belohnt!

 

Die Initiative  „ZUKUNFT FÖRDERN- BERUFSORIENTIERUNG GESTALTEN“ (finanziert durch die Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit und das nordrhein-westfälische Ministerium für Schule und Weiterbildung, finanziell unterstützt durch das Ministerium für Arbeit NRW und den Europäischen Sozialfonds und umgesetzt von der Stiftung Partner für Schule NRW) half  HBG – Schülern   nun schon zum wiederholten Male, den über 500€ teuren 15-tägigen Aufenthalt in La Coruña zu finanzieren, diesmal aber mit der Rekordsumme von 2500€ !  Dadurch sind außer den Flugkosten nur knapp 100€ statt über 400€ zu bezahlen – das löste bei den Schülern Vanessa Peekhaus, Christopher Gallas, Ronja Schwartpaul, Yasmin Harden, Lana Regulski, Laura Grafen, Lisa Sickelmann und Anna Röwer, aber selbstverständlich auch bei deren Eltern Begeisterung aus.  Mit der Finanzierung soll außerunterrichtliches Engagement belohnt werden bei der Berufsfindung bzw. Zukunftsgestaltung von Jugendlichen, die immerhin so motiviert waren, eine Woche der Herbstferien zu opfern (und auch Geld), um im weit entfernten Ausland zu arbeiten. In Bibliotheken, Kindergärten, Grundschulen, in einer Altentagesstätte, im Büro, im Bekleidungsgeschäft oder in einem Konservatorium konnten sie zum einen ihre Sprachkenntnisse anwenden und zum anderen natürlich auch die spanische Lebenswelt unmittelbar erleben.  La Coruña ist perfekt für ein solches Abenteuer: diese schöne Stadt am Meer ist nicht unbedingt als Urlaubsort deutscher Touristen bekannt (deutsche Speisekarten sucht man hier vergebens), bietet aber sehr viel Abwechslung und vor allem nette, aufgeschlossene Menschen.
Ausgangspunkt für den Weg zum Arbeitsplatz war wie schon in den 10 Jahren zuvor ein Studentenwohnheim am Rande der Stadt. Während die Mitschüler in Oberhausen aufgrund der Ferien vermutlich noch in den Betten lagen bzw. in der ersten Schulwoche nach den Herbstferien die Schulbank drückten, waren die fleißigen Praktikanten bereits um 7.00 Uhr auf dem Weg zum Arbeitsplatz. Hier erledigten sie ihnen zugewiesene Aufgaben, wie z.B. im Kindergarten Kinder füttern, mit ihnen spielen, vorlesen, oder in der Bibliothek die Ausleihe oder Rückgabe von Medien verschiedener Art verbuchen.
Zu erwähnen ist hierbei, dass die Schülerinnen und Schüler, obschon sie sich erst im zweiten bzw. dritten Lernjahr befinden, in der Lage waren, die ihnen zugewiesenen Aufgaben ohne größere Probleme zu bewältigen; und wenn es mit der Sprache mal nicht so klappte, waren die spanischen Arbeitskollegen sehr hilfsbereit: dann geschah Kommunikation eben mit Händen und Füßen und manchmal auch auf Englisch. Spätestens in der zweiten Woche war der Job Routine; Angst und Aufregung waren verflogen und Sprachhemmungen waren abgebaut, Selbstsicherheit und Lust am Sprechen hatten deutlich zugenommen.
Aber neben der Arbeit fand auch ein Freizeitprogramm statt, mal in La Coruña selbst (Kino, Strand und Meer, Leuchtturm Torre de Hércules, Altstadt, Rathaus,…), mal außerhalb: in  Santiago de Compostela wohnten die  Schülerinnen und Schüler einer Pilgermesse in der bedeutenden Kathedrale bei. Weiteres Highlight: der Besuch einer wirklich urigen Kneipe in La Coruña, in der sie erlebten, wie es sich anhört, wenn nicht der Schotte, sondern der Spanier den Dudelsack spielt. Besonders schön jedes Jahr, wenn die Schüler mit musizieren dürfen, zur Musik tanzen und einfach nicht müde werden wollen.
Dieses letztgenannte Zusammentreffen hat Folgen: der in Galizien bekannte Dudelsackspieler und -lehrer Raúl Galego wird am 13. Dezember 2012 einen Abstecher ins Ruhrgebiet machen und uns besuchen; Raúl Galego wird mit zwei Musikerkollegen zur spanischen Folklore referieren, Bilder mitbringen und ein Konzert geben.
Wie schon in den Vorjahren kooperierte die HBG mit dem Gymnasium Eickel, das ebenfalls 8 Schülern diese einmalige Möglichkeit bot. Es entstanden schul- und schulformübergreifende Freundschaften und alle 16 freuen sich bereits sehr auf das Nachtreffen mit Fotos, Tapas und gaaaanz viel Spaß. Begleitet wurde die gemischte Gruppe von den Lehrern Jörg Mallmann und Antje Fehrholz, die an den genannten Schulen u.a. das Fach Spansich unterrichten und seit nunmehr 10 Jahren dieses Projekt organisieren und ausbauen.

              Fotostrecke ...hier...

                                                                                                                                                                 Jörg Mallmann, November 2011
 

Schulformübergreifende  Zusammenarbeit:
Europaschule HBG und Gymnasium Eickel gemeinsam zum Praktikum nach La Coruña
                                                                                                               von: 
Jörg Mallmann

Es ist nun schon Tradition an der HBG: das Auslandsbetriebspraktikum in La Coruña (im äußersten Nordwesten Spaniens) !   Aber zum ersten Mal schickten die HBG (frischgebackene Europaschule) und das Gymnasium Eickel gemeinsam Schüler nach Spanien. Dieses Experiment ging auf und es fanden sich neue Freundschaften. Leonie, vom Gymnasium Eickel, teilte sich ein Zimmer mit Birthe, von der HBG; beide wurden in 14 Tagen ein tolles Team und werden sich schon in den Herbstferien wiedersehen. Daniela (HBG): „Man konnte Kontakte knüpfen, die hoffentlich nie wieder verloren gehen“. Jörg Mallmann (Organisator HBG) und Antje Fehrholz (Organisatorin Gymnasium Eickel) staunten über die Truppe: „Oft gibt es Vorurteile der einen Schulform gegenüber der anderen; ich hatte befürchtet, dass dadurch Probleme entstehen könnten. Doch das Gegenteil war der Fall: alle verstanden sich sofort und die Tatsache, dass sich die zehn Gesamtschüler und drei Gymnasiastinnen nicht kannten, machte  das Zusammenwachsen der Truppe noch intensiver. Es sind Kontakte entstanden, die weiterbestehen werden. Das bestärkt uns, 2010 wieder gemeinsam nach La Coruña zu fahren“, so Jörg Mallmann.

Seit 10 Jahren wird interessierten Schülerinnen und Schülern unserer Schule im 3. oder 4. Lernjahr  Spanisch angeboten, in Jahrgang 11 bzw. 12 für zwei Wochen nach Spanien zu fahren, um in verschiedene Berufe hineinzuschnuppern, die Zielsprache konsequent anzuwenden und Kontakte zu Spaniern zu knüpfen. Ausgesucht wurden verschiedene Arbeitsplätze, um den unterschiedlichen Interessen der Jugendlichen gerecht zu werden. Die Kontakte beruhen allesamt auf privat hergestellten Kontakten, die das ganze Jahr über sorgsam gepflegt werden (müssen), damit dieses ganz besondere Angebot der Heinrich-Böll-Gesamtschule weiterbestehen kann.

Die Schüler arbeiten montags bis freitags ganztags in verschiedenen Kindergärten oder besuchen als "Gastschüler" eine spanische Schule, beteiligen sich dort aktiv am Unterricht, machen Hausaufgaben und treffen sich mit Klassenkameraden. Seit 2004 besteht außerdem die Möglichkeit, bei der Altenbetreuung (Vorlesen, Spaziergänge, Erzählen, Einkaufen,...) mit einzusteigen. Außerdem arbeitet eine Person in einer Boutique für Kinder- und Babybekleidung, bis zu vier weitere in zwei Bibliotheken. Begleitend führen die Teilnehmer eine Praktikumsmappe und fertigen Vokabellisten an.

Die Fahrt findet immer zur Hälfte in den Herbstferien statt, damit nicht zu viel Unterricht ausfällt! Bemerkenswert: die Schüler wie auch die begleitenden Lehrer zahlen um die 480 € für diese freiwillige Verkürzung der Herbstferien. „All das kann sich auch beruflich lohnen, schließlich gibt es ein Zertifikat und damit kann man bei Bewerbungen Pluspunkte sammeln“, so Jörg Mallmann.

Im Jahr 2009 ging es mit der Rekordzahl von elf Schülerinnen und zwei Schülern mit dem Flugzeug von Düsseldorf nach Madrid, von dort weiter per Nachtbus nach La Coruña. Wir kamen todmüde in der Studentenunterkunft an, die für 2 Wochen unser Zuhause werden sollte.  Nach einem ausgiebigen Frühstück in unserer "Stammkneipe", der Bar Manolo und einem kurzen Erholungsschläfchen ging es auf Erkundungstour, damit die Schüler eine Orientierung bekamen von der 300.000-Einwohner-Stadt A Coruña.  Das Wetter, sonst vergleichbar mit dem in Deutschland, war sonnig und warm, so dass der Strandbesuch länger dauerte als geplant.  Vorher wurden aber alle sieben Praktikumsplätze besucht, um uns vorzustellen und den Schülern den Weg dorthin zu zeigen. Zum Abendessen traf man sich ebenfalls in der Stammkneipe; hier sollten die Feierabendaktivitäten in der Woche hauptsächlich stattfinden (bei Billard, Tischtennis, Kicker, Tapas und -ganz selten ☺- einem Bierchen).

Am nächsten Morgen ging es (noch mit Begleitung der beaufsichtigenden Lehrer und durchaus einer gewissen Anspannung) zu den Praktikumsplätzen, von wo die Schülerinnen und Schüler abends gegen 17 Uhr  hundemüde (aber überglücklich) wiederkamen.

Dann kam die Routine: früh aufstehen, frühstücken, zur Arbeit fahren und dort ca. 7 Stunden schuften, dann noch ein Stadtbummel, Shoppen  oder ein erholsamer Strandbesuch vor dem Rückweg, schließlich gegen 20:30 Uhr gemeinsames Abendessen. Jedes Jahr gibt es mit dem Betreiber der Bar Manolo und seiner Familie ein herzliches Wiedersehen; die Deutschen sind wieder da. Die Vielfalt der spanischen Küche kann hier zu äußerst fairen Preisen genossen werden - verglichen mit der Studentenmensa, wo wir bis 2006 aßen, ein Paradies auf Erden. Nach dem Essen noch ein wenig Billard oder Tischtennis auch dort in der Stammkneipe, gegen 22:30 Uhr nach Hause und ab ins Bett (nicht immer gelang dies mit deutscher Pünktlichkeit).  
Am Wochenende konnte der Strand etwas länger genossen werden, es kam Urlaubsstimmung auf; Mutige wagten den Sprung ins ziemlich kühle Atlantikwasser. Sonntags stand -wie jedes Jahr- ein Ausflug nach Santiago de Compostela auf dem Programm. Die Fahrt dorthin beinhaltet immer auch den Besuch eines mit Hunderten von Pilgern gefüllten Gottesdienstes in der Kathedrale von Santiago, und obwohl auf Spanisch gehalten, erfahren die Schülerinnen und Schüler die feierliche und erhebende Stimmung, die auch noch anhält, wenn wir längst wieder in La Coruña angekommen sind.

In La Coruña selbst lohnt es immer, sich auf die Spuren durch die Altstadt zu begeben. Es ist geradezu ein Muss, in einer der fast 100 Jahre alten Straßenbahnwagen das eindrucksvolle Küstenpanorama von La Coruña zu genießen. Dabei kommt man auch am Leuchtturm Torre de Hércules vorbei. Er steht als weltweit ältestes noch in Betrieb stehende Bauwerk seiner Art seit 2009 auf der Liste der UNESCO-Welterbestätten, ist fast 70 Meter hoch und für einen tollen Ausblick über La Coruña bzw. auf den Atlantik muss man 242 Stufen hinaufsteigen.

Bei der spanischen fröhlich-lebendigen Lebensart opferten wir Lehrer uns nicht allzu ungern, mit den Schülerinnen und Schülern nach einem Kinobesuch das Nachtleben La Coruñas "unter die Lupe zu nehmen", das allerdings wesentlich später als aus Deutschland gewohnt beginnt (und auch endet). Selbstverständlich tranken wir nur nicht-alkoholische Getränke ☺. Es wurde getanzt und gelacht. Das bedeutete aber, etwas verspätet den Weg ins Bett zu finden.

Im Vordergrund stand aber die Arbeit, denn es handelte sich hier nicht um Urlaub; Kinderhüten mit Windelnwechseln, Füttern, Streit schlichten, Spielen, Vorlesen,...  all das kann ganz schön ermüdend sein, ebenso wie die Teilnahme am Unterricht mit aktiver Beteiligung, dem Anfertigen von Hausaufgaben, dem Befragtwerden durch Mitschüler und Lehrer,....  . In der Bibliothek war Kundenkontakt an der Tagesordnung: Bücher entleihen, zurücknehmen, bei der Suche behilflich sein....und das in der  Fremdsprache....ganz schön anstrengend. 

Trotz aller Strapazen, trotz etwas Heimweh (für viele war es die erste Reise weg von der Familie), alle waren sich einig: nach Deutschland wollte keiner so schnell zurück. Aber der Rückflug kam unaufhaltsam näher, und schließlich ging es vollbeladen Richtung Heimat. In Madrid blieb noch Zeit für eine Stadtführung und ein paar letzte Tapas oder Einkäufe. Wir alle freuten uns schon auf die Nachtreffen mit Fotoaustausch, Kochen und auf die gemeinsame Erinnerung an tolle, unvergessliche zwei Wochen. Viele der Truppe, die alle restlos begeistert sind, werden wohl im kommenden Jahr, dann privat in den Herbstferien, auch wieder dabei sein.  Das ist der schönste Lohn für all die Arbeit.