Inklusion im Schulsport

| 3. Mai 2012

Auf dem Seminarplan: Inklusion im Schulsport

Statt die Schulbank zu drücken, bekommen Lehramtsanwärter eine Lehrstunde in Sachen Inklusion – Rollstuhlfahren inklusive!

Rollstuhlvolleyball

Rollstuhlvolleyball

Die Gesamtschule Heinrich-Böll Europaschule in Oberhausen (HBG) nimmt das Thema Inklusion ernst: Die Schule engagiert sich seit vielen Jahren in diesem Bereich. Jetzt organisierte ihr Sportlehrer und B-Trainer im Behindertensport Mihály Vincze erstmals ein Seminar für Lehramtsanwärter zum Thema „Inklusion im Schulsport“. Teilnehmer und Fachkräfte-Vertreter lobten die Initiative und professionelle Durchführung und fordern weitere Veranstaltungen dieser Art.

Die HBG ist im Bereich der Inklusion seit vielen Jahren aktiv: körperlich und geistlich benachteiligte SchülerInnen werden nicht in separaten Klassen unterrichtet, sondern lernen gemeinsam in der Regelschule. Auch im Sportunterricht wird keine Ausnahme gemacht. Diese Gruppenkonstellation alters- und fachgerecht zu fördern, steht für die Sportlehrer der Schule täglich auf dem Stundenplan. Da der Schule das Thema sehr am Herzen liegt, gab sie ihr Knowhow und Erfahrungen nun weiter.

In Kooperation mit dem Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Kleve und dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband hieß es am 11.02.2012 für 15 Lehramtsanwärter „Schulbank-Drücken“ der besonderen Art: Im Rollstuhl!
Das Ziel des Seminars: Lehramtsanwärter wurden für das Thema sensibilisiert, Tipps und erste Schritte im Bereich Inklusion wurden vorgestellt. Und um sich auch richtig in das Thema hineindenken und vor allem einfühlen zu können, war natürlich eine aktive Teilnahme im Rollstuhl gefragt.

So umfangreich das Thema, so vielfältig war auch das Programm. Das Seminar wurde von und mit Ute Herzog, Vorsitzende des Fachbereichs Kinder- und Jugendsport des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes vorbereitet.
Theoretische, aber vor allem auch praktische Programmpunkte und ein naher Erfahrungsaustausch standen auf der Tagesordnung: Neben einer Einführung in die Rollstuhlversorgung und Fahrtechniken, kam für die Sportlehrer-Anwärter natürlich auch der Sport nicht zu kurz: Basketball, Badminton, Volleyball wurden geübt – natürlich im Rollstuhl sitzend. Aber neben der Praxiserfahrung spielte auch die Informationsvermittlung eine große Rolle. Die Lehramtsanwärter wurden über die Bedeutung der Inklusion informiert, die deutlich gewachsen ist, seit Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat. In einem weiteren Thema wurde der Rollstuhl als Gefahrenquelle aufgezeigt, denn er stellt im Schulsport ein Risiko für Rollstuhlfahrer und Fußgänger dar.

„Inklusion hautnah erleben“, das konnten die Teilnehmer auch im Interview mit Rollstuhlfahrer Patrick. Der 18-Jährige nahm in den Diskussionsrunden kein Blatt vor den Mund: „Wir Rollstuhlfahrer können es nicht leiden, wenn wir als minderbefähigte Personen wahrgenommen werden! Wir nehmen gerne Hilfe in Anspruch, aber bitte nur dann, wenn wir danach fragen. Unaufgefordertes Helfen, zum Beispiel beim Einsteigen in Bus und Bahn, ist nicht nötig – und unerwünscht.“. Er erzählte im Austausch mit den Teilnehmern von seinen Erfahrungen als Rollstuhlfahrer und gab hilfreiche Einblicke in das (Schul-)Leben und die Probleme behinderter SchülerInnen: „Vor allem die sanitären Anlagen haben die Bezeichnung „behindertengerecht“ oft nicht verdient“, so der Schüler, der in diesem Punkt auch von den Fachkräften bestätigt wurde.

Das Fazit:
Ute Herzog, Leiterin des Seminars, war vom Engagement und der Begeisterung der Lehramtsanwärter sehr angetan: „An der Auffassungsgabe und der Umsetzung hat man gemerkt, dass sie Sportler sind! Es freut mich sehr, dass das Interesse für das Thema so groß ist.“

Die Teilnehmer waren von der Vielfalt des Programms und den vielen Übungen begeistert. Der anfänglichen Skepsis folgte nach kürzester Zeit eine Teilnahme ohne Hemmung vor dem Rollstuhl.

Auch Herr Peim, Seminarleiter „Sport“ am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Kleve, ließ sich die Veranstaltung nicht entgehen und war ebenfalls begeistert: „Das Seminar war methodisch hervorragend vorbereitet und sehr praxisnah. Es ist wichtig, dass Lehramtsanwärter früh Einblicke in die Arbeit an inklusiv-ausgerichteten Schulen erhalten“. Er lobt das Engagement und Fachwissen Ute Herzogs, der es gelungen ist, die Teilnehmer für das Thema zu begeistern und die Initiative der HBG.

Die Heinrich-Böll Gesamtschule, seit Jahren im Bereich Inklusion aktiv, nimmt die Herausforderung gerne an und wird auch in Zukunft unter der Leitung von Herrn Vincze weitere Veranstaltungen organisieren.

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Kategorie: Soziales Engagement, Sport, Sportbeobachter

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