HBG-Europaschule besucht Friedensdorf

| 1. November 2018

Besuch im Friedensdorf der 9d am 12.September 2018:

Die Klasse 9d der Heinrich-Böll-Gesamtschule unternahm am 12. September 2018 mit ihren Lehrern Jens Hartwig und Cordula Stubbe-Ortmann einen bildungspädagogischen Tag im Friedensdorf Oberhausen und erlaubte sich damit einen tieferen Blick über den Tellerrand des routinierten Schulalltags hinaus.

Seit einem halben Jahrhundert existiert das Friedensdorf international in direkter Nachbarschaft zur Schule im Oberhausener Norden; Grund genug, näher hin zuschauen! Im Unterricht der 9d wurden Ziele, Erwartungshaltungen und auch Vorbehalte und Ängste thematisiert, um die Klasse auf das Tagesseminar und die Begegnung mit Kindern verschiedener Nationen, die dort während ihrer Behandlung in Deutschland leben, vorzubereiten. Trotz des Bewusstseins, dass hier Welten, Sprachen und Kulturen aufeinandertreffen und die Klasse teils sehr schwer verletzten Kindern begegnen wird, war die Realität jedoch ganz anders als erwartet.

Nach einer informativen Einführung und Vorbereitung seitens der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, konnten schon viele Fragen geklärt werden.
Dann ging es hoch ins Dorf. Schnell brach das Eis bei den meisten Schüler/innen und Dorfbewohner/innen. Besonders beim Fußballspiel gab es nur die eine Sprache, die jeder verstand: der Ball muss ins Tor! Schnell gewannen die Friedensdorfkinder die erste Partie gegen die Klasse 9d mit 13:4! Eingeschiente Beine und Gehhilfen waren dabei kein Hinderungsgrund. Anfängliche Vorbehalte lösten sich schnell, und bereits am Mittag war die Stimmung insgesamt locker und gelöst. „Frieda“, die Friedenstaube wachte als Symbol des Dorfes über das bunte Miteinander, bei dem man sich teils mit Händen und Füssen, teils aus einem Gemisch vieler Sprachen verständigen konnte.

Am Nachmittag verdeutlichte ein Film die langjährige Arbeit des Friedensdorfes. Dadurch wurden anschaulich friedenspädagogische Inhalte und entwicklungspolitische Zusammenhänge vermittelt, doch vor allem wurde ein soziales Bewusstsein bei der Klasse 9d aktiviert. Viele Selbstverständlichkeiten unseres Lebens in Deutschland erfuhren eine ganz andere Wertschätzung im Vergleich mit Lebenssituationen in Kriegs- und Krisengebieten. Die Bedeutung von sauberem Trinkwasser erschien den Schülerinnen und Schülern plötzlich in einer ganz anderen Dimension. Außerdem ist die Verschwendung von Nahrungsmitteln in unserer „Wegwerfgesellschaft“ ein Thema, das bei den Kindern im Friedensdorf undenkbar ist. Alles wird verwertet und gebraucht. Da sich das Friedensdorf ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert, kann man sich diesen zweifelhaften „Luxus“ nicht leisten. Selbst wenn das angrenzende Rapsfeld blüht, sehen die meisten Kinder darin eine gute Nahrungsquelle; eine Tatsache, die die Klasse 9d zum Schmunzeln brachte.
Auch im Friedensdorf gibt es eine interne Schule. Hier steht aber weniger Deutschlernen zur Integration auf dem Lehrplan, als Dinge, die in den Heimatländern nützlich sein könnten. Die Hilfe zur Selbsthilfe steht im Vordergrund, da das wesentliche Ziel des Friedensdorfes darin besteht, die Kinder nach abgeschlossener medizinischer Versorgung und anschließenden Rehabilitationsmaßnahmen in Deutschland in ihre Heimat zu ihren Familien zurückkehren zu lassen. Der Kampf gegen Bakterien und Keime, Hygiene, Gewinnung von sauberem Trinkwasser oder Desinfektion sind wichtige Lehrinhalte, die den Kindern mit auf ihren Weg gegeben werden.

Zum Abschluss des Tages gab es noch einmal eine Begegnung mit den Kindern, deren Namen zwar schwer zu merken waren, aber die man jetzt schon kannte. Natürlich gab es auch ein Rückspiel der Fußballmannschaft……Wieder zu Ungunsten der 9d!

Das Fazit dieses erlebnisreichen Tages im Friedensdorf ist durchaus positiv. Die meisten Schülerinnen und Schüler der Klasse 9d gehen gestärkt nach Hause mit neuem humanitärem und sozialem Bewusstsein, dem Gefühl, Gutes getan zu haben und sogar ein Stück über sich hinaus gewachsen zu sein.

Die Lehrer Jens Hartwig und Cordula Stubbe-Ortmann wünschen sich an ihrer eigenen Schule und darüber hinaus einen Multiplikatoreffekt und hoffen, dass ihr Projekt eines nicht ganz alltäglichen Unterrichts Schule macht.

Cordula Stubbe-Ortmann

Kategorie: Abt. 9/10, Soziales Engagement

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