Sally Perel zu Besuch an der HBG

| 7. Juni 2017

Am 19.05.2017 besuchte uns der ehemalige Hitlerjunge Sally Perel, um uns von seinen Erlebnissen, in der Zeit des Nationalsozialismus, zu erzählen. Seine Lesung fand in den ersten beiden Stunden im Spieleraum statt. Viele Schüler waren gespannt darauf, seine Geschichte zu hören, dennoch hatten manche die Befürchtung, dass es langweilig werden könne. Als dann der 92-Jährige Mann durch die Tür trat, waren alle leise und hießen ihn herzlich willkommen.

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Als er seine Lesung begann, waren alle ganz still und lauschten Herrn Perels Worten. Seine Geschichte über seine Kindheit war fesselnd und alle Schülerinnen und Schüler hörten interessiert zu. Damals, in seiner Kindheit, lebte er fröhlich und zufrieden in Peine in der Nähe von Braunschweig, bevor die Nazis an die Macht kamen. Sally floh zusammen mit seinen Eltern nach Polen, doch lange konnten sie sich dort nicht verstecken, da auch Polen bald von den Nationalsozialisten angegriffen wurde.

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Sallys Eltern wollten, dass er mit seinem Bruder aus Polen flieht. Bevor er mit seinem Bruder aufbrach, sagte seine Mutter zu ihm: „Sally du sollst leben“. Sein Vater ergänzte: „Vergiss niemals, wer du wirklich bist.“ Zusammen mit seinem Bruder floh er erneut. Sie wollten zusammen nach Russland, jedoch verlor Sally auf seiner Reise nach Russland seinen Bruder. Als Sally dann alleine in Russland ankam, wohnte er für knapp zwei Jahre in einem Kinderheim. Leider stand das Glück nicht auf Sallys Seite und auch Russland wurde angegriffen.

Er floh zusammen mit anderen Kindern aus seinem Heim, aber leider hat er es nicht geschafft, den deutschen Soldaten zu entkommen und wurde von den Nazis festgenommen. Außer ihm wurden auch noch viele andere Menschen gefangen genommen. Sally dachte, dass er jetzt sterben müsse. Er vergrub seine Ausweise, damit sie nicht herausfinden konnten, dass er Jude ist. Als er nun an der Reihe war, beantwortete er mit viel Mut die Fragen des Soldaten ausführlich und konnte diesen auch überzeugen. Er sagte, dass er kein Jude sei und seine Papiere verloren hätte. Der Soldat war erstaunt, dass er einen Deutschen unter der Menge gefunden hat. Der Soldat brachte Sally zum Kommandanten. Der Kommandant war ebenfalls überrascht, dass sie in Russland einen Deutschen gefunden hatten. Der Kommandant benutzte Sally als Dolmetscher, jedoch sollte er nicht nur als Übersetzungshilfe dienen, sondern auch als Soldat. Als es für Sally zu gefährlich wurde, wurde er zur NAPOLA (Nationalpolitsche Erziehungsanstalt) geschickt. Es war eine Schule, die junge Männer Elitesoldaten ausbildete.

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In dieser Schule lernte er genauso wie in anderen Schulen die Fächer Deutsch, Geschichte, Naturwissenschaft, Sport und Erdkunde, jedoch wurde alles mit einem nationalsozialistischen Schwerpunkt unterrichtet. Sie lernten in Biologie beispielsweise die Rassenkunde. Die Nazis meinten, dass alle Menschen in Rassen einzuordnen seien und dass die deutsche Rasse die beste sei. Die Vorstellung von einem Arier war, dass dieser blaue Augen und blonde Haare habe, groß, sportlich und schlau sei. Sally war so in die nationalsozialistische Erziehung vertieft und von dieser beeinträchtigt worden, dass er selber an das glaubte, was ihm dort beigebracht wurde. Er lebte in dieser Schule mit ewiger Angst, erwischt und als Jude erkannt zu werden. Wegen den Nationalsozialisten musste er geheim halten, dass er Jude ist. Wenn beispielsweise mal Arzttermine anstanden, hatte er immer eine Ausrede parat. Vier lange Jahre lang wurde er dort zu einem Soldaten ausgebildet. Diese vier Jahre waren für Sally eine Ewigkeit.

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Meiner Meinung nach war die Lesung sehr lehrreich und es war beeindruckend, die Geschichte eines Zeitzeugen zu hören. Jeder, der die Chance hat, die Geschichte eines Zeitzeugen zu hören, sollte diese Gelegenheit nutzen.

Kai Rogmann, Klasse 10 c

Kategorie: gesellschaftswissenschaftliche Fächer, HBG, Schulleben

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