Studienfahrt der Ge LKs 2017 ‒ Auschwitz und Krakau

| 23. September 2017

2017 bekamen die zwei Leistungskurse Geschichte der 12. Stufe die Möglichkeit, die Stadt Oświeçim in Polen zu erkunden, wo sich die damaligen Konzentrationslager der Nationalsozialisten befanden. Wir bekamen die Chance,

Auschwitz mit professionellen Guides zu untersuchen; dabei merkten wir schnell, dass Schulbücher nicht annähernd das Leid und die Schreckensgeschichten der Konzentrationslager erfassen können. Nach drei Tagen in Oświeçim verbrachten wir den letzten Tag in der historischen Stadt Krakau, wo wir ebenfalls Spuren der NS-Zeit ausfindig machten.

Auschwitz

Auf der Hinfahrt waren wir Schüler noch gut gelaunt, ebenso lebendig verbrachten wir den ersten Tag in der Innenstadt und führten die typische Stadterkundung mit dem dazugehörigen Stadterkundungs-Spiel durch.

Das erste Auschwitzlager besuchten wir am frühen Morgen am Tag darauf. Das Stammlager ist für 60.000 bis 70.000 Tote verantwortlich, dabei beherbergte das Lager nur 13.000 bis 16.000 Häftlinge und bestand aus 22 Blöcken. Jeder Block war einer anderen Gruppe von Menschen zugeteilt; heute sind die Blöcke mit Ausstellungen gefüllt. Die große Touristenmasse zeigte, dass diese Zeit längst nicht vergessen wird. Mit speziellen Hörfunkgeräten konnten wir den Guide, trotz der lauten Menschenmassen, verstehen. Der Rundgang verlief schnell, denn der Guide erklärte schnell und sehr viele Informationen, die wir uns kaum vorstellen konnten, prasselten auf uns ein. Sobald wir die verbliebenden Restbestände des Häftlingseigentums sahen, konnten wir uns allmählich ein Bild von dem Grauen machen, und alle wirkten immer ruhiger und mitgenommener von Raum zu Raum, von Block zu Block.

Es war eine sehr gute Erfahrung auch mal über den Bücherrand in der Schule hinweg zu schauen und sich selbst ein Bild machen zu können.

Das zweite Lager, das Vernichtungslager, war viel größer, deswegen war es einfacher, den Guide zu verstehen. 40 Baracken und mehrere Gebäude der SS beherbergte Auschwitz II und ist verantwortlich für ca. 1,1 Millionen Tote, die unter widrigen Umständen wie Tiere zum Tode gezüchtet wurden. Es war für uns alle schwer zu begreifen, was dort passiert ist. Ebenso wenig konnte sich jemand die Zahlen der Toten bildlich vorstellen. Wir liefen schon seit zwei Tagen auf riesigen Friedhöfen, die Stimmung jedes einzelnen von uns war daher eher trüb. Das riesige Lager forderte einen großen Rundgang, somit fielen einige von müde ins Bett und alle waren gespannt auf den nächsten Morgen.

Zunächst bekamen wir die Möglichkeit, einen jüdischen Friedhof zu besuchen und eine Synagoge, um etwas über die Juden aus Oświeçim zu erfahren. Danach ging es zu einem Workshop. Uns wurde die Möglichkeit gegeben, im Archiv nach Deportierten aus Oberhausen zu suchen. Wir waren höchst erstaunt, wie viele es am Ende tatsächlich waren (mehr als 40). Wir bekamen erklärt, wie die Arbeit im Archiv erfolgt. Bis heute wird versucht, den Anfragen von Menschen nachzugehen. Das Stammlager bietet nämlich die Möglichkeit, nach Häftlingen zu suchen, die offenbar in Auschwitz waren, deren Familie allerdings nicht über Vorkommnisse informiert wurden und Angehörige somit als ‚verschollen‘ gelten.

Da dies der letzte Tag in Oświeçim für uns war, hatten einige Schüler einen Abschied von diesem Ort für die Kurse vorbereitet. Er fand an der ersten Rampe am Vernichtungslager statt, die heutzutage selten von Touristen angeschaut wird. Die Schüler hatten auf Zetteln ihre Gedanken und Gefühle über Auschwitz aufgeschrieben und auf dem Weg zur Rampe einen Stein ausgesucht, um die jüdische Tradition, Steine auf Grabmälern niederzulegen, zu integrieren. Weiter formten wir mit den Zetteln und Steinen die Buchstaben ‚HBG’ und legten drei Kerzen für die drei Konzentrationslager, die wir besucht hatten, dazu. Anschließend folgte eine Schweigeminute. Manche Schüler können mit Vorkommnissen in den Lagern gut umgehen; andere begreifen nicht sofort, was genau dort passiert war, wieder andere jedoch waren eher mitfühlend und konnten Tränen, Schmerz – und Mitgefühle kaum verbergen.

Auch nach der Reise konnten manche von uns weniger mit den Geschehnissen umgehen.

Einige haben Bücher über die Lager gekauft und forschten auch nach der Ankunft in Oberhausen weiter. Allerdings hatten ein paar Schüler auch noch tagelang Albträume oder konnten keinen anderen Gedanken fassen. Andere wiederum hatten weniger Probleme.

Krakau

Nach den ‚Intensiv-Auschwitz-Tagen‘ konnten wir in Krakau den Kopf wieder etwas frei bekommen und den letzten Tag in der schönen Kulturstadt ausklingen lassen. Auch hier bekamen wir eine Stadtführung und besuchten alle historischen Sehenswürdigkeiten wie die Krakauer Universität oder das Schloss Wawel. Wir konnten in der Stadt etwas unternehmen und genossen die schöne und belebte Atmosphäre der ehemaligen polnischen Königsstadt. Am letzten Tag in Krakau besuchten wir zudem noch das jüdisches Viertel und die allseits bekannte Schindler Fabrik. Nach diesen Rundgängen erkundete jeder von uns die große Stadt nach seinen Belieben und kostete jede verbleibende Minute in der schönsten Stadt Polens aus, denn am Abend würde uns der Reisebus wieder nach Hause fahren. Der letzte Abend war insofern ein schöner Abschluss, da wir in einem jüdischen Restaurant gespeist und dazu ein Klezmerkonzert von einer kleinen Band vorgespielt bekommen haben. Jeder hat durchaus schöne Eindrücke und Erinnerungen mitgenommen, trotz der Erkenntnisse, die wir die Tage davor gewonnen haben. Vielen ist klar, dass Krakau nochmal von uns besucht werden muss!

Auschwitz und der Holocaust im Allgemeinen gilt bis heute noch als sehr ernstes, aktuelles und stets bleibendes Thema auf der ganzen Welt. Das haben wir Schüler in den Lagern erkannt, auch durch der vielen Besuchergruppen, die aus Israel, den USA, Deutschland, Italien, Spanien und vielen anderen Ländern stammen. Es ist durchaus kein einfaches Thema und nichts für schwache Nerven, da die Schreckensgeschichten nur schwer zu verarbeiten sind. Alle Schüler bestätigen, dass Auschwitz in allen Schulen unterrichtet werden muss und alle Schüler sich mit dieser dunklen Seite der deutschen Geschichte auseinandersetzen sollten.

[Laura Mercedes Kaczyca]

Kategorie: Abt. Sek II, HBG, Schulfahrten

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